Libertäre Linke in der Nordstadt (Braunschweig)

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Besser ohne Partei sozial und solidarisch- im Siegfriedviertel, Uni-Viertel, in der Schuntersiedlung, in Kralenriede & am Schwarzen Berg – demokratisch, sozial, gradeheraus und (un)wider(steh)lich.

Nichts ist gut

… mal etwas Ungewöhnliches als (teilweises*) Zitat (Nachträge zu Hartz{4} am Ende):

„Predigt im Neujahrsgottesdienst in der Frauenkirche Dresden

Margot Käßmann – 01. Januar 2010 (…) [Nachtrag Nr. 3- Interview im „Stern“- hier]

Denn Erschrecken gibt es ja nicht nur im persönlichen Leben, sondern auch mit Blick auf unsere Welt.
Nichts ist gut in Sachen Klima, wenn weiter die Gesinnung vorherrscht: Nach uns die Sintflut! Da ist Erschrecken angesagt und Mut zum Handeln, gerade nach dem Klimagipfel in Kopenhagen.
Nichts ist gut in Afghanistan.
All diese Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen benutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. Wir brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der Logik des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis in der Welt abgeben, gegen Gewalt und Krieg aufbegehren und sagen: Die Hoffnung auf Gottes Zukunft gibt mir schon hier und jetzt den Mut von Alternativen zu reden und mich dafür einzusetzen. Manche finden das naiv. Ein Bundeswehroffizier schrieb mir, etwas zynisch, ich meinte wohl, ich könnte mit weiblichem Charme Taliban vom Frieden überzeugen. Ich bin nicht naiv. Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen. Vor gut zwanzig Jahren haben viele Menschen die Kerzen und Gebete auch hier in Dresden belächelt …
Nein, es ist nicht alles gut, wenn so viele Kinder arm sind im eigenen Land. Diese Kinderarmut versteckt sich oft ganz still im Hintergrund. Da erzählt mir eine Mutter, dass die Klasse ihres 15-jährigen Sohnes eine Reise ins Ausland geplant habe. Sie konnte das erforderliche Geld nicht aufbringen. Die Klasse wollte ihn unbedingt dabeihaben und gemeinsam haben sie das notwendige Geld aufgetrieben. Aber der Sohn wollte nicht mitfahren, weil er sich zu sehr geschämt hat, dass andere für ihn bezahlen. Selbst als der Lehrer anrief, ließ sich ihr Sohn nicht umstimmen. Er blieb als Einziger zuhause.

Nichts ist gut, Erschrecken ist angesagt, wenn es in einer Gemeinschaft so schwer, so beschämend ist, Hilfe anzunehmen bei Jungen und Alten, bei Armen, Kranken und Behinderten. Da braucht es einen tatkräftigen Glauben, der für die Würde jedes Menschen eintritt.
Es ist nicht gut, nein, es ist entsetzlich traurig, wenn ein Spitzensportler Angst hat, seine Depression offiziell behandeln zu lassen. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn seine Krankheit öffentlich bekannt geworden wäre, hätte er kaum weiter Nationaltorwart bleiben können. Dass sein Tod so viele Menschen berührt hat liegt wohl auch daran, dass Robert Enke stellvertretend für die Ängste vieler steht. Sie wurden an die Abgründe der eigenen Angst erinnert. Der Angst nämlich, nicht mehr mitzuhalten und nicht mehr eine Fassade von Größe, Schönheit und Stärke aufrechtzuerhalten.
Nichts ist gut, wir erschrecken, wenn wir erkennen, wie bei uns eine solche Atmosphäre der Gnadenlosigkeit herrscht und alle immer stark sein müssen – wie unmenschlich! Da haben wir Zeugnis zu geben von der Nächstenliebe, die unserem Glauben entspringt.

Nein, es ist nicht alles gut. Aber trotzdem müssen wir nicht deprimiert oder mit gesenktem Haupt ins neue Jahr gehen. „Seht auf und erhebt eure Häupter“ heißt es in der Bibel. Aber ja doch! Wir glauben an den auferstandenen Christus und nicht an einen Toten. Wir haben Hoffnung für diese Welt und über diese Welt hinaus. Deshalb können wir die Spannung aushalten zwischen Erschrecken und Gottvertrauen, zwischen Ängsten und Mut zur Weltverbesserung. Wir können fröhlich feiern, ohne Fassaden. Denn unser Glaube blendet Leid und Kummer in der Welt nicht aus! Das ist für mich entscheidend.

Quelle: EKD (…)“ (von nachdenkseiten.de, Nochmals: Neujahrspredigt von Bischöfin Käßmann)

Lesenswert! Und bewegend.

Nachtrag: eine lesenswerte Zusammenfassung zu den Wirkungen der Hartz-Gesetze-

Über die vergessenen „Neben“wirkungen von Hartz IV und Agenda 2010: Die Zerstörung der sozialen Sicherheit.

Verantwortlich: Albrecht Müller | Druckversion | Beitrag versenden | Ein Freund berichtete mir gestern davon, seiner Tochter sei nach 18 Jahren Betriebszugehörigkeit die Kündigung „empfohlen“ worden, weil sie im letzten Jahr zu viele Krankheitstage hatte – verbunden mit entwürdigenden Drohungen. Einer unserer Hinweisgeber aus Thüringen hat seinen Arbeitsplatz im Süden wieder einmal verloren, obwohl er die Mühe der Mobilität auf sich nimmt. Fünfzigjährige verlassen nach der Kündigung heulend ihren langjährigen Arbeitsplatz. So geht es Tausenden. Hartz IV droht. Albrecht Müller (…)

Nachtrag Nr. 2:

Und die Praxis der ARGEn?

Unqualifiziert und überfordert

Warum ARGE-Mitarbeiter so viele Fehler machen — und —

Autorengespräch: Warum ARGE-Mitarbeiter so viele Fehler machen

Fritz Frey im Gespräch mit Thomas Reutter und Oliver Heinsch

MfG

Nicolas Arndt

*für die, die lieber das Original komplett lesen- der Link steht etwas weiter oben- „EKD“.

Soundtrack: Alanis Morissette- „Excuses“, „Doth I protest too much“ und „Spineless“ (vom Album „So-called chaos“)– Texte und ggf. Musik g**geln oder bei yahoo oder last.fm

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Einsortiert unter:Allgemeines, Arbeitswelt, Fundstück, Hartz4-ALG2, Historisches, Nachtrag No2, Nachtrag Nr. 3, Nachtrag!, Praktisches, Soundtrack, Sozialrecht, , , , , , , , , , , , , , , ,

2 Responses

  1. kinderkaffee sagt:

    Daisy, Bob und die klirrende Erdwarmerung

    http://freidemzen.wordpress.com/2010/01/17/daisy-bob-und-die-klirrende-erdwarmerung/

    Stellt euch vor: alle warten auf die „Erderwärmung“ und es kommt einfach keine! Das Wetter bleibt gleich und die Erderwärmung scheint bis auf Weiteres verschoben! Uns wurden aber subtropische Zustände versprochen! Im Tank-Top durch den sonnigen Januar und die Meeresbrise am palmenumstandenen Strand im heißen Süddeutschland, umspült vom nahezu brodelnden, ehemaligen Arktis- und Gletschereises. Jetzt im Winter gerade, wäre das natürlich besonders schön! Aber nichts da! Weit und breit nur normales Wetter, wie gewohnt. Leise rieselt der Schnee! Und es will einfach partout nicht wärmer werden! Wir wurden betrogen! Haben alle unsere Alaska-Jacken verbrannt und durch Badehosen und Bikinis ausgetauscht.

    Gruß Kaffee

  2. nordstadt sagt:

    @Kinderkaffee:
    diese Verschwörungstheorien sind doch immer wieder nett, erst 9/11, jetzt Kyoto&Co. Weil der Winter hierzulande diesmal kalt ist, gibt’s kein Abschmelzen der Polkappen mehr…
    Verweise vorab auf meine Anfrage Nr. 1 zur nächsten Bezirksratssitzung, Seite 2- dort ist- angesichts dessen, dass so manche/r (auch außerhalb des teilweise verwirrten oder verwirrenden Internets) auf o. a. Theorien reinfällt, ein recht guter Artikel angehängt, damit nachher keine/r sagen kann: „Klima kaputt- ups- davon hab‘ ich ja gar nichts gewußt!“. Achja, der Artikel wird wahrscheinlich „ALBA- the colour of snow“ („Polarkreis 18“ läßt grüßen) heissen…
    Naja, Danke für die Links- Ihr von FDZ scheint mich ja richtig „lieb zu haben“. Einer meiner besten Parteikumpels war früher mal FDPler, bevor er zur Linkspartei kam. Glaube, dass das mit der „Liebe“ von Libertären „Kommunisten“ für (manche!) Liberale wohl doch stimmt 😉

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