Libertäre Linke in der Nordstadt (Braunschweig)

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Besser ohne Partei sozial und solidarisch- im Siegfriedviertel, Uni-Viertel, in der Schuntersiedlung, in Kralenriede & am Schwarzen Berg – demokratisch, sozial, gradeheraus und (un)wider(steh)lich.

WM-Fieber: Lahm`s Kaninchen

Die Frage muss erlaubt sein: Regiert der Fußball die Welt oder ist es das Geld oder die Politik? Vor den Quarterfinals kommentiert B. Mex, Kandidat auf Platz 3 der Liste für den Rat der Stadt.

Morgen nach dem Spiel sind wir schlauer. Argentinien gegen Deutschland wird kein Schicksalsspiel. Aber, nach dem Spiel wissen wir, wer als ein Topfavorit das Halbfinale gegen Italien oder die Ukraine spielen darf. Denn weder die Ukraine noch Italien haben bisher guten, weil schönen Fußball geboten. Argentinien und auch Deutschland aber schon. Morgen wissen wir, was aus der Party wird.
Das ist die eine Überraschung dieser WM. Deutschland hat schönen Fußball gespielt, was keiner erwartet hätte. Zu schlecht waren zwischendurch die Leistungen nach dem Confed-Cup im letzten Jahr. Aber, oh Wunder, Klinsmanns Truppe kann`s.

Die andere Überraschung: Die WM ist eine Party! Das Bier fliesst in Strömen. Die Zuschauer sind in froher Erwartung. Die Welt ist zu Gast bei den freundlichen jungen Deutschen, die schwarz-rot-goldene Fahnen wehen lassen und dabei so politisch und unpolitisch sind, wie junge Menschen unter 30 in anderen Ländern auch. Auch das war so nicht zu erwarten. Denn im Vorfeld dieser WM war nicht von Party, sondern von Hooligans und der Gefahr für das Ansehen Deutschlands die Rede.

Was aus den Hooligans geworden ist, weshalb sich diese Anscheinsgefahr in Luft aufgelöst zu haben scheint, das muss nach der WM noch von den InnenpolitikerInnen geklärt werden.

Die Sache mit den Schwarz-rot-goldenen Fahnen darf jetzt bereits diskutiert werden. Die Fakten dazu liegen auf der Hand. Patriotismus und aufgeklärtes Nationalgefühl sind Begriffe, die in D-Land seit 1990 diskutiert werden. Das ist nicht neu. Habermas prägte 89 den Begriff des Verfassungspatriotismus. In diesem Diskurs gibt`s die, die aus dem Schatten der Vergangenheit (Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit/ Menschheit) heraustreten wollen. Es gibt die, die kosmopolitisch denkend sagen, nationale Identität interessiert nicht. Und es gibt die, die sagen, ohne Identität lässt sich schlecht regieren.

Der Punkt ist, Identität ist nicht nur gewählt, sie wird auch zugeschrieben. Diese WM zeigt das. Es geht ein Bild der Deutschen durch die Welt. Lederhose und Blasmusik, Eisbein und Sauerkraut, german beer and Gemütlichkeit, ernst und fleißig, humorlos und kalt sind Begriffe zu diesem Bild. Und nun wird dieses Bild ergänzt: Nett und normal, freundlich und weltoffen, gegen den Irak-Krieg – also friedlich, aber freundlich zu den USA sind diese Deutschen auch. Sie machen das wie die Menschen in anderen Ländern auch: Sie wählen sich die Regierung, die sie verdienen. Sie sind widersprüchlich, auch widerständig (StudentInnenproteste!), wählen ihre großen Parteien CDU und SPD zur Regierung, mögen Fußball und haben Spaß.

Daran ist nichts schlimm zu finden. Schwarz-rot-gold steht für eine gescheiterte demokratische Revolution. 1848 – Paulskirche, Frankfurt. Die deutsche Geschichte wäre anders verlaufen, hätten die Herrschenden damals nicht gesiegt. Einigkeit und Recht und Freiheit – gegen die feudalen Unterdrücker in den deutschen Kleinstaaten, für die verfassungsrechtlich verbrieften Freiheitsrechte der KritikerInnen gegen die Obrigkeit, für das Recht, die Regierung wählen zu dürfen, eine bessere Regierung wählen zu dürfen – dagegen ist nichts zu sagen.

Die Farben der Verbrecher und Nazis sind Schwarz-weiß-rot.

Die Linke darf diese WM mitfeiern. Denn diese WM ist Schwarz-rot-gold, nicht Schwarz-weiß-rot. Sie darf gegen die Kommerzialisierung polemisieren. Sie darf sich aber auch an schönem Fußball freuen, wenn sie Fußball mag. Es gibt allerdings auch Menschen, die mögen Schach, Schwimmen, Leichtathletik, Kino, Musik lieber. Das jetzt zu bekennen, ist mutig. Entscheidend ist, ob die Politik die Macht bekommt, aus der sog. Vaterlandsliebe, dem Patriotismus, dem Nationalismus heraus zu regieren. Wo Politik versucht, den Fußball zu instrumentalisieren, da ist die Kritik der Linken gefragt.

Heute hat der Bundestag neue Steuergesetze geschlossen. Die abhängig Beschäftigten zahlen bald mehr Steuern. Aber die Unternehmen dürfen bald weniger Steuern zahlen. Das gleiche Prinzip soll auch bei der sog. Gesundheitsreform mit den Krankenversicherungsbeiträgen gelten. Die das so wollen sind die Politiker von CDU/ CSU und SPD. Und Philip Lahm übrigens hat seine zwei Kaninchen ganz dolle lieb. Die Frage ist, welche Nachricht ist wichtiger.

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