Libertäre Linke in der Nordstadt (Braunschweig)

Icon

Besser ohne Partei sozial und solidarisch- im Siegfriedviertel, Uni-Viertel, in der Schuntersiedlung, in Kralenriede & am Schwarzen Berg – demokratisch, sozial, gradeheraus und (un)wider(steh)lich.

Ein unveröffentlichbarer Leserbrief an die nB

Braunschweig, 26.06.06

Wer, wie ich, die Braunschweiger Zeitung aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht regelmäßig liest, ist auf die Informationen der kostenlosen Werbezeitungen angewiesen, derer zwei in Braunschweig regelmäßig erscheinen: Braunschweig Report, um den es hier nicht geht, und die „nB“= „neue Braunschweiger“.

Die Braunschweiger Lokalpresse, als rechts verschrieen, versuchte sich ca. 10 Jahre lang- bis 2001- an einem neuen Image, liess (mit Ausnahme des BS report) auch mal andere Meinungen annähernd gleichwertig zu Wort kommen, als die der Geldsäcke und ihrer Machtinhabenden.

Im Jahre 2001 wurde dann ein ortsfremder, rechtslastiger und bis dahin in der Region eher unbekannter Verwaltungs-Jurist (G. Hoffmann), eine Art von „Verwaltungs-Tagelöhner“, hochgeschrieben und hochgejubelt, so dass dem durchschnittlichen Zeitunglesenden nichts Anderes übrig blieb, als eben diesen „Zugereisten“ für „kompetent“ zu halten und quasi zwanghaft zu wählen (antifaschistisch eingestellte Mitmenschen kannten den Herrn Hoffmann noch aus seiner Zeit als Stadtdirektor in Gifhorn, als er sich nicht gerade als Freund von Flüchtlingen hervortat).

Nun sass der ehemalige NPD-Saulus-Hoffmann als CDU-Paulus-Hoffmann fünf Jahre in Amt und Würden als Oberbürgermeister, verscherbelte hier, bebaute da, vergab an KPMG den einen oder anderen lukrativen „Prüfauftrag“, kürzte Soziales und Kultur zusammen und kaum eine Ausgabe der „nB“ ging ohne ein Foto oder einen lobenden Artikel über diesen „feinen Herrn Doktor“ in die Briefkästen.

Nunmehr sollte der geneigte Leser, die verbissene Leserin, meinen, es ist wieder mal Wahlkampf, es herrscht ja dann doch wohl Chancengleichheit zwischen den im Rat vertretenen Parteien- wie in einer Demokratie zu erwarten wäre?

Weit gefehlt- zuerst vermittelt die nB in der Ausgabe vom 11.06.06 den Eindruck, es gebe nur drei Kandidaturen zum Amt des Oberbürgermeisters (OB) der Stadt Braunschweig. In der Ausgabe von gestern, dem 25.06.06, wird dieser Eindruck gleich auf der ersten Seite faktisch, allerdings in Bild-Zeitungs-Manier nicht wörtlich durch eine Erklärung oder Erläuterung der Redaktion, korrigiert.

Auf Seite 3 erscheint ein halbseitiger Bericht über eine SPD-Veranstaltung am letzten Samstag auf dem Kohlmarkt- oha, doch ausgeglichene Berichterstattung und Würdigung?

Drei Seiten weiter wird dieser Eindruck geschmählert: auf einer halben Seite werden nur CDU, FDP und ihnen sehr nahestehende

Anne Kliesch, wahrscheinlich eine Verwandte des CDU-Bezirksbürgermeisters Götz-Rüdiger Kliesch; Frank A. Bötzkes und Alexander Börger, jeweils im (Vorstand des) Ring Christlich Demokratischer Studenten- RCDS BS sowie Karl-Heinz Stange, von der CDU in Hondelage-

MitbürgerInnen zu Wort gelassen (Infos jeweils über Recherche bei http://www.google.de).

Oft habe ich mit mir innerlich gekämpft, ob ich nicht auch mal einen Leserbrief für die „nB“ schreiben sollte. Nach diesem Vorgang bin ich noch mehr am Zweifeln, ob die Arbeit, die solch ein Vorhaben bedeutet, sich wirklich lohnt, angesichts der offenkundig einseitigen Auswahl an Possemeyer-kritischen und Hoffmann-freundlichen LeserInnenbriefen.

Apropos „kämpfen“- diese feinen Damen und Herren, die stets Rückwärtsgewandtes aus der Zeit des „Manchester-Kapitalismus“ als fortschrittlich verkaufen wollen, sind mehrheitlich zu feige, ihre Parteimitgliedschaften zuzugeben- ich gebe nicht nur zu- ich bin zufrieden, Mitglied der Linkspartei zu sein, der Partei, die neben einem ernsthaften gesamtdeutschen Schulterschluss auch die Rettung des Sozialstaates von Willy Brand (und eigentlich auch Erich Honecker) versucht und den Rechtsstaat gegen die Koalition der übrigen Parteien verteidigt, die ihn Stück für Stück angeblichen inneren und äußeren Sicherheitsinteressen opfert.

Mir ist es dabei nicht egal, ob CDU-Hoffmann oder SPD-Possemeyer zukünftig für 8 (ACHT) Jahre Verwaltungschef und oberster Repräsentant der Stadt Braunschweig nach innen wie nach außen bleibt bzw. wird- unterstütze aber, nicht bloß aus „Parteiräson“ oder taktischen Erwägungen, die Kandidatur von Udo Sommerfeld aus der Linkspartei.

Warum, frage ich Sie/dich, liebe/r Leser/in, sollen immer nur Juristen und Beamte höchste Ämter in den Kommunen wahrnehmen?

Wieso soll „einer von uns“ (wäre übrigens eine gute Wahlkampfparole), ein gelernter Drucker, schlechter sein als so ein dahergelaufener und dazubestellter „Verwaltungsfuzzi“ mit Staatsexamen?

Können Juristen, können Beamte besser denken?

Die Zeit wird zeigen, wie diese Wahl ausgeht.

Es kann spannend werden.

Mit sommerlichen Grüßen

Ihr/Euer Nicolas Arndt

(Soundtrack zu diesem Artikel: „Big Time“ von Peter Gabriel, Text z. B. hier)
(wer Interesse an Kopien der nB-Artikel und/oder den Google-Quellen hat, möge bitte mailen an: linke-nordstadt (at/bei) hotmail (Punkt) de )

Advertisements

Einsortiert unter:Lokales, Presse, Soundtrack, Wahlkampftagebuch 06

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: